Dienstag, 27. März 2018

Let´s talk together - Autoren packen aus: Von klein Verlagen, Selfpublischern und Imprints



Hallo ihr Lieben,



schon auf der FBM (Frankfurter Buchmesse) 2017 habe ich einigen Autoren und auch klein Verlagen einige kritische Fragen gestellt. Mich interessierte es brennend warum ein Selfpublisher, der schon sehr gut verkauft und eine starke Community hat, sein Werk an einen klein Verlag gibt. Auf der anderen Seite hat es mich auch interessiert wieso nehmen kleine Verlage so gerne Selfpublisher auf. Auf die zweite Frage war die Antwort tatsächlich  nicht sonderlich überraschend. 


Ich habe mir zu diesen heiklen Fragen und teilweise auch heiklen Antworten keine notizen gemacht. Alles in diesem Artikel beruht auf Gedächtnisprotokollen. Auch werde ich zum Schutz der Verlage und Autoren keine Namen nennen, denn einige Antworten waren wirklich bisschen brisant und könnten Zusammenarbeiten gefährden. Vieles spiegelt auch meine subjektive Meinung wieder und es handelt sich hier um einzelfälle, dieser Beitrag lässt sich nicht pauschalisieren.



Ich beginne mit der einfacheren Frage: Warum nehmen kleine Verlage so gern Selfpublisher auf?

Die Antwort kann man sich fast denken und meine Gedanken wurden hier bestätigt. In den meisten Fällen ist es tatsächlich so, dass Verlage hier ein kleines Risiko eingehen. Der Autor hat im besten Fall schon eine eigene Community und bringt diese als potenzielle Leser mit in den Verlag. Hier profitiert oft der Verlag mehr als der Autor direkt. Im besten Fall war das Buch schon erfolgreich und die Cash-Cow kann weiter gemolken werden. Das Werk wird überarbeitet, neu Lektoriert, bekommt ein neues Cover. Die Kosten für einen Verlag sind hier auvch geringer. Für den Verlag ein super Geschäft. 

Doch warum gehen Autoren zu kleinen Verlagen?

Immer wieder sieht man, dass schon sehr erfolgreiche Selfpublisher plötzlich ein Buch in einem klein Verlag rausbringen. Diese können meistens wenig bieten. Ein klarer Vorteil ist es, dass man selber keine Kosten für Lektorat, Korrektorat, Cover und Buchsatzt hat. Ebenso entfällt die Arbeit und auch die Druckkosten für ein evtl. Printexemplar.

Doch es ist jedem von uns bewusst, dass man dann auch viel weniger an einem Buch verdient. Oft werden Selfpublisher immer noch in der Branche belächelt. Wer keinen Verlag hat taugt nichts, warum auch sonst sollte man die volle Kontrolle über sein „Buchbaby“ behalten wollen? Ich finde es diese Einstellung nicht gut, denn für mich macht es keinen Unterschied ob ein Buch in einem klein Verlag erschienen ist oder der Autor es selber veröffentlicht hat. Für mich gibt es hier seltenst Qualitätsunterschiede. Ja es gibt auch genug Leute die ihre Bücher selber veröffentlichen und keine Ahnung von dem haben was sie machen, aber die lassen wir nun mal bisschen außen vor und gehen davon aus, dass die Autoren sich bisschen informiert haben und wissen was ein Lektorat ist.

Besonders bei Lesungen in Buchhandlungen, Bibliotheken oder sonstigen Einrichtungen bekommen Selfpublisher seltener eine Chance als ein Autor mit einem Verlag, selbst wenn es ein kleiner unbekannter Verlag ist. 
Auch die Listung in den gängisten Einkaufsportalen wie Libri und KNV ist als nicht ganz so einfach. Autoren die über Amazon veröffentlichen habe keine Chance in diese Portale zu gelangen. Die Chance in den Buchhandel zu gelangen sind viel einfacher über einen Verlag, denn oft können gerade Selfpublischer nicht die Rabatte geben, die einen Händler ansprechen. Portale und Händler wie Amazon, Thalia und Hugendubel bekommen teilweise bis zu 50%.



Eine Autorin erzählte mir, sie würde es sehr bereuen in einen kleinen Verlag gegangen zu sein. Es wurden Versprechungen gemacht, welche nicht gehalten wurden und somit änderte sich für die Autorin nichts, außer dass sie nun weniger mit ihren Büchern verdient. Keine erhöhte Reichweite, kein Buchhandel und auch keine Unterstützung in der Zusammenarbeit mit Blogger. 

Auch ein in meinen Augen „komisches“ Konstrukt ist das Teilen der Rechte. Die E-Book rechte bleiben beim Autor und die Print rechte gehen zum Verlag. An einem Printexemplar verdient man wirklich sehr sehr wenig, wenn so 1€ über bleibt ist das schon ganz ok. An einem E-Book verdient man viel mehr und hier steckt auch das Potential für klein Verlage und Selfpublisher. Diesen Deal gehen manche Verlage ein, um einen namenhaften Autor im Programm zu haben. Selfpublischer gehen diesen Deal ein, um die Druckkosten für das Print abzugeben.

„Hätte ich im selfpublishing weiter gemacht und die gleiche Anzahl an Büchern verkauft hätte ich 60.000€ mehr verdient.“

Diese Aussage hat eine Autorin mir gegenüber getroffen. Ich war schon wirklich überrascht wie hoch die Summe ist. Natürlich weiß man nie wie viele Bücher die Autorin verkauft hätte, wenn sie weiter Selfpublisher geblieben wäre. Aber das Buch lief sehr sehr gut und auch ich habe es schon in der SP-Variante gelesen. Sie bereut den Schritt.



Das witzige ist, dass es eine kleine Rivalität zwischen den Imprints der Verlage und den klein Verlagen gibt. Autoren auf beiden Seiten beschuldigen den anderen, dass das Lektorat schlecht sei. Witzig oder? Das ist tatsächlich ein Punkt den beide Seiten öfter mal erwähnt haben. Denn auch die Imprints der großen Verlage sind stets bemüht einige gut laufende Titel in ihr Programm zu holen.



Aus all diesen Gesprächen raus, würde ich behaupten, dass einige Autoren den Schritt in einen Verlag/ Imprint zu bereuen. Für einige war es jedoch auch ein Sprungbrett zu den großen Publikumsverlagen.

Das Business ist hart und um Erfolg zu haben muss man klein Anfangen und viel Ausdauer und Durchhaltevermögen beweisen.



Ich persönlich würde glaube das Imprint und das Selfpublishing einem kleinen Verlag vorziehen, aber so komplett kann ich das nicht sagen, denn es würde sehr auf meine Überzeugung und auch auf die Angebote ankommen. Jedoch befürchte ich fast, dass ich für ein eigenes Buch nie genug Durchhaltevermögen aufbringen kann, deswegen stellt sich mir die Frage gar nicht.

Eine Tendenz unter den Autoren ließ sich so direkt nicht feststellen, denn es gab auf allen Seiten Leute die zufrieden waren und auch welche die nicht zufrieden


Wie stehst du zu dem Thema und was würdest du tun?




1 Kommentar:
  1. Hallöchen,
    ein wirkllich sehr intressanter Beitrag von dir!

    Ich persöhnlich lese recht viele Bücher von Self-Publishern, da ich einfach so viele gute Erfahrungen machen konnte. Viele Self.Publishing Bücher werden einfach extrem unterschätz was ich persönlich sehr sehr schade finde. Ich habe manche Bücher lesen dürfen die ich sooo gut fand, dass diese zu meinen Lieblingsbüchern gehören, trotz Self-Publishing ;)

    Die Vorurteile das Self-publishing Bücher Qualitativ schlechter sind, sind in vielen Köpfen leider eingebrannt, wodurch diese oft einfach gar keine Chance haben bekannter zu werden.

    Sehr schlimm und vor allem traurig finde ich, dass die Bücher, die über Amazon veröffentllich werden, einfach kaum eine Chance haben in den Buchhandel zu kommen. Obwohl es auch hier wirklich tolle Autoren und Bücher gibt.

    Liebe Grüße
    Anjelika / Chilly´s Buchwelt

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