Montag, 1. September 2014

Autoren hautnah

Heute im Interview Kim Kestner, die Autorin der wunderbaren Zeitrauschtrilogie und "Im Band der Drudel"
Das Foto zeigt Kim beim Versuch die Zeitsprünge zu ordnen in Zeitrausch. Also live bei der Arbeit!

Erzählen Sie uns doch bitte etwas über sich. (z.B. Alter, Wohnort)

Ich wohne da, wo man Moin sagt, auch am Abend, nämlich im Süden Hamburgs – in der wunderschönen Nordheide. Nächstes Jahr werde ich 40 (wie ist das so schnell passiert?).

Allgemeines

Was wollten Sie als Kind immer werden?
Erst Tierärztin (wie alle, die nicht Prinzessin werden wollten), dann kam eine Phase, in der ich meinem Vater nacheifern wollte und Juristin werden, schließlich habe ich Grafik-Design studiert und war selbstständig in diesem Bereich, bis meine Zwillinge zwei Jahre alt waren. Kurz danach begann ich zu schreiben. Ein wunderbarer Beruf, obwohl Prinzessin auch toll gewesen wäre

Beschreiben Sie sich mit 5 Worten?
spontan – dickköpfig – zielstrebig – kreativ - chaotisch

Hätten Sie jemals gedacht, dass schreiben mehr als nur ein Hobby werden könnte?
Ich weiß nicht … Ich hatte immer das Ziel, über Verlage zu veröffentlichen. Für mich war es daher von Beginn an mehr Beruf als Hobby. Nur, dass ich zunächst nichts verdient habe. Als die erste Abrechnung kam, saß ich da und hab die Zahl angestarrt und es irgendwie geschafft, in meinem mathematisch unterbelichteten Gehirn, meinen Stundenlohn auszurechnen. Er lag bei zwei Cent. Da kamen mir kurz Zweifel: Ist das Schreiben vielleicht doch nur ein Hobby für Sonntagnachmittag?
Doch bei dem Gedanken hat sich mir regelrecht der Magen zusammengezogen und ich habe festgestellt, dass ich auch weiterschreiben würde, wenn ich ewig nur 2 Cent pro Stunde damit verdienen würde. Weil ich Menschen begeistern möchte und es einfach viel mehr Lohn ist, eine enthusiastische Mail zu bekommen. Zum Glück sind es inzwischen etwas mehr als 2 Cent

Sind manche der Figuren in Ihren Büchern an Personen angelehnt die Sie kennen?
Ja. Irgendwie habe ich unter meinen Freunden eine kleine Kuriositätensammlung. Einige davon sind solche Originale, da konnte ich nicht wiederstehen. Bisher sind sie allerdings nur in „Im Bann der Drudel“ eingezogen. Bei Zeitrausch gibt es keine Anlehnung an real existierende Personen.

Haben Sie schon Ideen für zukünftige Projekte?
Oh ja! *hüpffreuhüpf* Seit einigen Wochen habe ich eine Idee, die mich absolut fasziniert und ich brenne darauf, sie umzusetzen. Gestern konnte ich Zeitrausch 3 abschließen. Nun kommt eine dreiwöchige Korrekturphase und dann werde ich sofort die neue Idee umsetzen. Und ich glaube, sie wird Zeitrausch in den Schatten stellen.

Welche ist ihre größte Inspirationsquelle?
Mein Mann und das Fernsehen. Zum Glück ist mein Hase wahnsinnig kreativ. Also als dass er auch nur annähernd etwas basteln könnte, sondern im geistigen Sinne. Er ist eine regelrechte Ideenfabrik. Viele ungewöhnliche Dinge kommen von ihm. Im Bann der Drudel zum Beispiel gibt es „Den Schrein der Gedanken“, eine unterirdische Höhle mit unzähligen Schublagen aus Stein, die einst Hexen dafür nutzten, ihre Flüche zu archivieren und kategorisieren (in Form von Gedankenfäden nicht auf Papier). Nachdem die Hexen ausgestorben waren, wurden diese Schubladen von anderen Wesen benutzt, die ihre Erinnerungen dort verwarten. Zieht man jedoch die falsche Schublade auf, trifft einen noch einer der alten Hexenflüche …
Ich meine, auf so eine Idee muss man erst mal kommen, oder? Und das Gehirn meines Mannes ist voll davon.

Wie hat sich Ihr Leben Verändert seit der Veröffentlichung Ihres ersten Buches?
Ich habe viel weniger Zeit und muss meinen Tag streng planen, um Kinder, Haushalt und Schreiben unter einen Hut zu bekommen. Und ich habe nie Feierabend. Ständig denke ich über einzelne Szenen nach, kann oft nicht einschlafen, bevor ich nicht die für mich perfekte Lösung gefunden habe. Mit Zeitrausch kam plötzlich Fanpost dazu. Das hat mich echt von den Socken gehauen. Ganz süße Briefe mit Aufklebern drin oder Schokolade und begeisterte Mails, Interviewanfragen, andere Verlage wurden auf ich aufmerksam, Facebook nahm plötzlich meinen Alltag ein … Ich finde das großartig! Zwar mag ich es gar nicht, selbst im Mittelpunkt zu stehen, aber wenn meine Bücher so viel Begeisterung hervorrufen, dann hat sich mein Traum erfüllt.

Beschreiben Sie uns doch bitte Ihren Alltag. In wie fern beeinflusst das Schreiben diesen?
07.00 Uhr aufstehen
08.00 Uhr Kinder in die Schule
09.00 – 12.30 Uhr schreiben
13.00 Uhr Kinder aus der Schule
13.30 – 14.30 Uhr Hausaufgaben begleiten und Mittagessen kochen (geht auch irgendwie zusammen)
14.30 – 17.00 Uhr Haus und Garten
17.00 – 19.00 Uhr Geschriebenes überarbeiten
19.00 – 20.00 Abendbrot und Kinder ins Bett
20.00 – 22.00 Konkret ausarbeiten, was ich am nächsten Tag schreiben will
22.00 – 24.00 Uhr Freizeit (meist vor der Glotze)
00.01 ins Bett und über Paradoxe in Zeitrausch grübeln (zumindest das letzte Jahr)

Von welchem Autor sind Sie selber großer Fan?
Von Andreas Eschbach. Ich mag seine Themen sehr. Er verarbeitet irrsinnige aber mögliche Gedankenspiele, wie: was wäre wenn das Öl plötzlich ausginge (Titel: ausgebrannt) oder was wäre, wenn ein armer Student plötzlich über eine unermesslich große Summe Geld verfügt, mit der er die Welt verändern kann (Titel: One Billion Dollar) etc.

Welches Buch sollte, Ihrer Meinung nach, jeder gelesen haben?
Harry Potter. Das ist keine ungewöhnliche Antwort, jedoch meine Meinung. J.K. Rowling hat die Literaturgeschichte mit H.P. verändert, dem Jugendbuch einen anderen Stellewert gegeben und ohne die Welt von Harry Potter, wäre unsere ärmer.

Fragen zur Zeitrausch-Trilogie

Wenn Ihr Buch verfilmt werden würde, welche Besetzung würden Sie sich für die Hauptrolle wünschen?
AAAAH! Mein Traum! Zeitrausch als Verfilmung *schwärm*
Für Alison kann ich die Frage ganz leicht beantworten: Alexis Bledel (Rory aus Gilmore Girls)
Für Kay: Keine Ahnung. So einen Mann habe ich selbst unter den Hollywoodgrößen nicht gefunden.

Wie kamen Sie auf die Idee für Ihr letztes Buch?
Ich liebe Zeitreisefilme. Also habe ich gedacht, das wäre doch dann auch das richtige Buchthema für mich. Erst dachte ich dabei an so etwas, wie „Eve und der letzte Gentleman“. Doch die alleinige Tatsache, dass ein Mann aus einer anderen Zeit kommt, war für mich nicht spannend genug. Plötzlich, zwischen Waschküche und Bad kam mir die Idee mit der Show und ich habe gewusst: das ist es! Vor allen Dingen, weil ich die Zeitreisethematik so realistisch wie möglich umsetzen wollte, also nichts mit Zeitreisegen oder so. Es sollte sich anfühlen, als könne es jeden von uns wirklich passieren. Und das jederzeit.

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